Die Marktwirtschaft als effizientes Steuerungssystem zur Versorgung der Menschen? Spätestens in der Krise wird augenfällig, dass es den Besitzern der Produktionsmittel nicht um die Produktion und Verteilung nützlicher Gebrauchsgegenstände geht. Diese sind lediglich Mittel zum Zweck. Der eigentliche Zweck ist die Vermehrung des eingesetzten Kapitals. Die Investitionen in Rohstoffe, Maschinen und Arbeitskräfte und der Verkauf der über ihre Anwendung produzierten Gebrauchswerte müssen nachhaltig einen Gewinn für den Investor abwerfen, sonst wird nicht produziert. Dieser einfache Grundsatz – es muss sich für den Besitzer der Produktionsmittel lohnen – ist das Kernelement, mit dem sich Marktwirtschaft von planmäßiger Gebrauchswertproduktion unterscheidet. Lediglich zusätzliche Lebensmittel zu produzieren, ist vom marktwirtschaftlichen Zweck der Vermehrung des eingesetzten Kapitals kein vernünftiger Grund zur Produktion. Für wie viele – über die Eigentumsverhältnisse von den Produktionsmitteln ausgeschlossene Menschen – diese Entscheidung das nackte Elend bedeutet, interessiert vom Standpunkt der Marktwirtschaft nicht. Nachfrage (d.h. menschliche Bedürfnisse), die nicht zahlungsfähig ist, existiert für diesen Zweck gar nicht. So gehen Massenverelendung und Schließung von vorhandenen Produktionsstätten zusammen.

Für die Besitzer der Produktionsmittel ist die Produktion sämtlicher Güter und Dienstleistungen nur Mittel zum Zweck, Geld zu verdienen. Die Unternehmen investieren nur in Produktionsmittel, wenn aus Geld mehr Geld werden kann, wenn der zu erzielende Erlös den Aufwand für Rohstoffe, Maschinen und Arbeitslöhne etc. übersteigt, wenn also die Aussicht auf Gewinn besteht. Das Maß für den Nutzen der hergestellten Gebrauchswerte ist in der Marktwirtschaft daher nicht das Bedürfnis, sondern wird abhängig davon, wie viel Geld verdient wird. Das Geld als die Verfügungsmacht über fremde Arbeit und dessen grenzenlose Vermehrung ist der Zweck der marktwirtschaftlichen Produktion. Gesellschaftliche Reichtumsproduktion, die als Warenwirtschaft über den Zweck, in Geld gemessenen Reichtum zu vermehren, gesteuert wird, degradiert die Menschen und ihre Bedürfnisse zum Mittel der Geldvermehrung. Was produziert wird, wie produziert wird, für wen produziert wird bzw. ob überhaupt produziert wird, ist in der Marktwirtschaft keine Frage der Bedürfnisse der Bevölkerung, sondern eine Frage des lohnenden Geschäftes. Daran ändert auch das Finanzkapital nichts.