»Hypothekenbanken erkannten, dass sie Unmengen Geld verdienen konnten, indem sie Hypotheken an jedermann verkauften, und dementsprechend wurden die Kriterien für die Vergabe von Krediten zunehmend lockerer und nutzte Methoden, die als "kreative Finanzierung" bekannt wurden.«
So wie die Berichte der US-Untersuchungskommissionen »unseriösen Praktiken der Kreditvergabe die Schuld an der Überschwemmung des Finanzsystems mit Subprime- und anderen Hochrisikohypotheken« geben, so wird auch von linken Kritikern des Kapitalismus den Finanzinstituten vorgeworfen, Menschen dazu ermuntert zu haben, Häuser und Konsumartikel zu kaufen, die sie sich letztlich nicht leisten konnten. Mit anderen Worten: Die »sinnlosesten Konsumentendarlehn« wurden finanziert.
Aber was ist eigentlich unsinniger? Konsumentenkredite an Menschen zu vergeben, die nicht über genug Geld verfügen, um sich den Wunsch nach einem eigenen Haus erfüllen zu können oder, nachdem die Häuser gebaut worden sind, die Menschen, weil sie ihren Kredit nicht bezahlen können, zu verjagen und die Häuser leer stehen zu lassen oder gar abzureißen? Die Tatsache, dass sich in den reichsten Industrieländern der Welt die Mehrheit der Bevölkerung von ihrer lebenslangen Arbeit kein eigenes Haus leisten kann, sondern einen Teil ihres Einkommens monatlich in Form von Mietzahlungen an die Minderheit der Hausbesitzer abgeben muss, ist in der Aufregung über das globale Finanzkapital kritiklos unterstellt. Vorhandene Produktionsmittel und menschliche Bedürfnisse sind im Kapitalismus schließlich kein vernünftiger Grund, um Häuser zu bauen. »Die schlichte Tatsache, dass Millionen von Häusern leer stehen, während Millionen von Menschen obdachlos sind, zeigt, dass es um Nützlichkeit nicht geht. Egal wie viele obdachlose Menschen auch immer einen Bedarf für diese Häuser hätten, der Markt diktiert, dass man bekommt, wofür man bezahlen kann und nicht was man braucht.« Das eigentliche Ziel ist die Vermehrung des eingesetzten Kapitals. Die Investitionen in Rohmaterial, Maschinen und Arbeitskräfte müssen einen nachhaltigen Gewinn für den Investor erzeugen, ansonsten wird er die Produktion stoppen. Menschen, die für andere für wenig Geld arbeiten und womöglich in absehbarer Zeit für deren Geschäfte nicht mehr gebraucht werden, gelten im Kapitalismus daher als »subprime«. Diese Menschen, also die Mehrheit der Bevölkerung an den vorhandenen Reichtümern zu beteiligen, gefährdet das Funktionieren des Marktes und führt eventuell sogar zur kapitalistischen Krise, in der Millionen von Familien aus ihren Häusern verjagt werden und das Heer der Obdachlosen vergrößern. Aus ihren Häusern verjagt, bauen sie sich dann vielleicht zusammen mit ihren Kindern Häuser aus Pappe und Abfall. Am Rande der Stadt, in denen ihre, der Zwangsversteigerung übergebenen Häuser leer stehen und keinen Käufer finden.
